Alumni Bericht
Vorwort von Xiaoyan Wiesemann
Seit 2015 bietet die Sino-German TCM Academy (SGTCM) in Kooperation mit der renommierten Zhejiang Chinese Medical University (ZCMU) ein berufsbegleitendes 5-jähriges Bachelorstudium an. Dieses Programm umfasst eine 4-jährige zertifizierte Ausbildung in Deutschland sowie ein ca. 5-6 Monate umfassendes berufsbegleitendes Praktikum in China. Seit 2016 nimmt die SGTCM jährlich Bachelorstudierende auf und das Programm hat sich stetig weiterentwickelt und erfolgreich etabliert.
Dann kam die Corona-Pandemie, die uns vor enorme Herausforderungen stellte, insbesondere da das Praktikum in China nicht möglich war. Es stellte sich die Frage: Wie geht es weiter?
In den Jahren zwischen 2020 und 2023 erhielt ich mehrfach Anrufe und Beratungsgespräche von Studierenden anderer Institutionen, die mit China kooperieren, die große Schwierigkeiten hatten, mit ihren Institutionen und Universitäten zu kommunizieren und sich hilflos fühlten. Ehrlich gesagt, wäre es für mich auch der einfachste Weg gewesen, den Studierenden mitzuteilen: „Es ist eine Pandemie, wir (SGTCM) können nichts daran ändern. Die SGTCM kann nur den Teil des Studiums in Deutschland weiterführen. Die Studierenden sollten sich selbst um die weiteren Aspekte kümmern. Andernfalls bliebe nur die Option, abzuwarten oder das Studium abzubrechen.“ Doch dieser Gedanke gefiel mir gar nicht. Wir setzten alles daran, kontinuierlich Kontakt und Diskussion mit der ZCMU zu halten, um gemeinsam einen umsetzbaren alternativen Studienplan innerhalb des Curriculums und der Qualitätsstandards für die Studierenden zu entwickeln und organisieren – auch im Hinblick auf das Worst-Case- Szenario der Pandemie, einschließlich eines Plans, der über mehrere Jahre gestreckt werden konnte.
Niemand hatte erwartet, dass die Pandemie tatsächlich mehr als drei Jahre andauern würde und China so lange geschlossen bliebe. Doch mit dem Plan, den wir mit ZCMU für unsere Studierenden vorbereitet hatte, konnten wir unseren Studierenden den bestmöglichen Weg zum Ziel aufzeigen.
Es gab viel Fragen, Unruhe, Verzweiflung, individuelle Schwierigkeiten unter den Studierenden, aber auch viel Ermutigung, Unterstützung, Zusammenhalt und Vertrauen – sowohl Vertrauen in mich als auch in sich selbst. Nach einer vierjährigen Pause konnten wir endlich im Jahr 2024 April wieder nach China reisen, um den Abschluss unserer ersten Absolventen zu ermöglichen und zu feiern.
Heute möchten wir ein Bild unserer Institution zeichnen: eine Gemeinschaft, die auch in herausfordernden Zeiten kontinuierlich an der Seite ihrer Studierenden steht, ihnen den Weg zum Erfolg ebnet und voller Stolz auf ihre Leistungen blickt.

Maria Bosse
B.med. TCM, Gesundheits- und Krankenpflegerin Ehefrau und Mutter von zwei Kindern
„Anders als in Deutschland ist das Bachelorstudium hier vollwertig anerkannt. In nur wenigen Monaten werde ich in einer privaten Klinik meine Tätigkeit als „Physician for Chinese Medicine“ aufnehmen. Ich erlebe ein Land im rasanten Wandel, voller Potentiale, nach Alternativen suchende Menschen und Räume voller Möglichkeiten. Ich fühle mich, mit meinen erlernten und stetig wachsenden Fähigkeiten, für den Aufbau von etwas Neuem und Innovativem wie gerufen.„
persönlicher Bericht
Mein Weg zum Studium
Kurz nach meiner bestandenen Prüfung zur Gesundheits-/ und Krankenpflegerin 2016, stieß ich über „zufällig“ eingeblendete Werbung auf meinem Handy, auf den neuen Bachelorstudiengang TCM an der SGTCM. Mein ursprünglicher Plan Schulmedizin zu studieren, änderte sich daraufhin. Zwar war die TCM mir bereits viele Jahre positiv vertraut, jedoch fehlte mir eine Ausbildungsmöglichkeit auf Universitätsniveau, um mich für diesen Weg zu entscheiden. Nach dem Motto: „Wer hoch hinaus will, braucht starke Wurzeln“, wollte ich ein Medizinsystem, das so tief in der Kultur, Geschichte und dem Lebensraum eines ganz anderen Landes wurzelte, auch mitunter an seinem Ursprungsort erlernen.
Das Studium bei der SGTCM bot mir genau das, was ich suchte. Einen International anerkannten Hochschulabschluss und durch mehrfache Praktika vor Ort in China, ein tiefes Eintauchen an den Ursprung der Chinesischen Medizin. Ich konnte ein tieferes Verständnis für das ganzheitliche Medizinsystem entwickeln und dadurch Konzepte in ihrer Komplexität besser begreifen. Im Juni 2024 habe ich das Studium an der Zhejiang Chinese Medical University (ZCMU) erfolgreich abgeschlossen. Ich realisiere nun, wie fundamental wichtig diese Tiefe war, ganz besonders, wenn man sich qualitativ hochwertige Medizinanwendung zum Ziel setzt.
Die Theoretische Ausbildung
Das berufsbegleitende Studium erlaubte es mir, von Beginn an Vollzeit als Gesundheits-/und Krankenpflegerin in einer Klinik zu arbeiten, um Lebensunterhalts- und Studienkosten zu decken. Es war mir möglich, in München zu leben und zu arbeiten und nur für Präsenzzeiten nach Rheinbach anzureisen. Dadurch sammelte ich jahrelang wertvolle praktische Erfahrung im Gesundheitswesen auf schulmedizinischer Basis. Vor allem die Erfahrungen im Bereich der Gynäkologie, Intensiv- Allgemein und Gefäßmedizin dienen mir heute sehr in der Praxis.
Die mittlerweile stark ausgebaute Onlineplattform und das Angebot für Online-Kurse, haben die gesamte Lehrsituation über die Jahre weiterhin erleichtert. Ich wanderte 2021in den mittleren Osten aus (Saudi-Arabien) und konnte bequem auf Lehrinhalte zugreifen und an Kursen online teilnehmen. Auf individuelle Lebens-/ Arbeitssituationen, wie bei mir das Leben in einer anderen Stadt /Ausland, Schwangerschaften und Geburten von zwei Kindern, wurde immer Rücksicht genommen. Im Gegensatz zu meinem vorherigen Pflege Studium, legte die SGTCM großen Wert darauf, dass Studierende für ein fundiertes, tiefes Verständnis der Materie und nicht nur für das Bestehen einer Prüfung lernen.
Die Kurse sind, neben anspruchsvoller Inhaltlicher Leitung auch interaktiv aufgebaut. Der Austausch mit Kommilitonen, das gemeinsame Erarbeiten von Inhalten und das Teilen von bereits gesammelten Erfahrungen, hat fortwährend stark zu meinem Lernfortschritt beigetragen. Das familiäre Verhältnis zu Lehrenden und Kommilitonen hat ebenso dazu geführt, dass die durchaus herausfordernden Pandemie Jahre, überstanden werden konnten. Die außergewöhnliche Weltlage, die sehr belastend und für alle Beteiligten, weder geplant noch bekannt war, benötigte ein Umdenken und Umstrukturieren der gesamten Lehrsituation. An dem Punkt, an dem viele den Weg beendeten, lernte ich für mich, was es bedeutet, dem Fluss des Lebens zu Vertrauen. Ich durfte lernen, was es bedeutet, durchzuhalten, ohne zu wissen, wie es weitergeht. Qualitäten, die sich heute für mich als Therapeut auszahlen.
Praktika in China und in Deutschland
Insgesamt verbrachte ich drei Monate in China und absolvierte meine praktische Zeit in verschiedenen Kliniken und Abteilungen. Von hospitieren und mitlaufen, über aktiv selber mitwirken, bat die Zeit in jeder Abteilung ihr ganz eigenes Lernfeld. Neben der Zeit in den Kliniken war es uns möglich, in die Kultur Chinas einzutauchen und dadurch nicht nur tieferes Verständnis für den Ursprung der Medizin zu entwickeln, sondern auch die Menschen kennen zu lernen und Verbindungen aufzubauen.
Für mich als Mutter von zwei Kleinkindern stellte die letzte Reise nach China im Frühjahr 2024 durchaus eine Herausforderung dar. Das Studium jedoch aufgrund meiner neuen Rolle als Mutter aufzugeben, war nie eine Option. Mit durchdachter Planung war es mir möglich, mit einem zweijährigen und vierjährigen Kind und meiner Mutter als Unterstützung, einen Monat in China zu verbringen. Während ich in der Klinik mein Praktikum absolvierte, tauchten meine Mutter und die Kinder voller Begeisterung in die Kultur ein. Während der gesamten Zeit, wurde ich von Seiten der Klinik und der Uni mit meiner doch etwas herausfordernden Situation unterstützt. Während und auch nach der Pandemie war eine Einreise nach China für uns Studenten einige Jahre nicht möglich. Folglich mit Unterstützung von SGTCM, absolvierte ich zwei Monate meiner Praktikumszeit in einer deutschen TCM-Praxis. Was ich im Vorhinein als Nachteil betrachtete, stellte sich als ein großer Gewinn heraus. Ich erhielt Einblicke in die westliche Arbeitsweise, die sich von dem Erlernten in China teilweise unterschied. Neben rein fachlichem Wissen konnte ich viel über Patientenkommunikation, Praxisführung und Organisation lernen und wie mit komplizierten oder schweren medizinischen Fällen individuell umzugehen ist. Medizin ist nur so gut, wie sie umsetzbar ist. Vieles was ich in China erlernt und in der Theorie durchgearbeitet habe, ist so 1:1 im Westen, aus ganz unterschiedlichen Gründen nicht umsetzbar. Die zwei Monate in der ausgezeichneten Praxis Ohmstede in Aachen, hat meinen gesamten Blick geschult. Ich konnte lernen, wie ich in China angeeignetes praktisches Wissen, angepasst an Kultur und System, im Westen umsetzen kann. Diese wertvolle Erfahrung dient mir jetzt, den Wissenstransfer auch in Saudi-Arabien, wieder auf eine ganz andere Art und Weise durchzuführen.
Mein persönlicher Ratschlag an Neustudenten
Auf einen „Stretch” zwischen zwei Kulturen sollte sich jeder einstellen können. Viele Universitätsstrukturen, Lernmethoden und auch die Art der Kommunikation unterscheiden sich von unserem deutschen System. Dank des Teams der SGTCM wurden jedoch die besten Möglichkeiten für uns geschaffen und eine Brücke zwischen den Kulturen aufgebaut.
Ein Studium aufzunehmen, dass durchaus mit uns unbekannten Methoden arbeitet, bedarf Bereitschaft sich diesen gegenüber zu öffnen und andere Herangehensweisen anzunehmen. Im Anbetracht unserer rasant fortschreitenden Globalisierung, sind Studiengänge wie diese, gute Einstiege, um die zukünftig benötigten Brücken zwischen Bekanntem und Unbekanntem zu bauen.
Mein jetziges Leben in Saudi-Arabien und meine zukünftige Arbeit hier, verlangt genau nach diesen Fähigkeiten. Diese bereits erlernt zu haben, gibt mir einen großen Vorteil für meine persönliche und berufliche Zukunft. An dieser Stelle möchte ich sowohl der SGTCM als auch der ZCMU einen großen Dank aussprechen, für alles was ich auf dem gemeinsamen Weg lernen durfte.
Wie geht es beruflich für mich weiter?
Anders als in Deutschland ist das Bachelorstudium hier vollwertig anerkannt.
In nur wenigen Monaten werde ich in einer privaten Klinik meine Tätigkeit als „Physician for Chinese Medicine“ aufnehmen. Ich erlebe ein Land im rasanten Wandel, voller Potentiale, nach Alternativen suchende Menschen und Räume voller Möglichkeiten. Ich fühle mich, mit meinen erlernten und stetig wachsenden Fähigkeiten, für den Aufbau von etwas Neuem und Innovativem wie gerufen.

Evi Ströhm
(B.Med. TCM, ZCMU)
“Wenn dir das Leben Zitronen gibt, dann mach Limonade draus!” — Ich bin Bachelor of TCM und reife 58
Praxis: Zieglerstr.12, 84187 Weng
persönlicher Bericht
Mit reifen 58 Jahren bin ich seit Juni 2024 „Bachelor of TCM“! Nach mehr als fünf Studien- und davon vier Corona-Jahren habe ich mein Bachelor-Studium an der Zhejiang Medical University erfolgreich abgeschlossen. Mein Herzenswunsch ist endlich erfüllt.
Als ich mit 53 Jahren das erste Mal die Möglichkeit eines Bachelor-Studiums in Betracht zog (heute leider nur für Personen unter 45 Jahren möglich), dachte ich sehr lange darüber nach, ob sich ein Medizinstudium an einer chinesischen Universität für mich noch lohnen würde. Ich würde meinen Studienabschluss bestenfalls mit 58 Jahren erreicht haben. Ich wog den Zeit- und Geldaufwand ab; denn ein Medizinstudium ist kein Spaziergang – vor allem dann, wenn man – so wie ich – schon ein paar Jahre drauf hat. Wäre die negative Berichterstattung über Heilpraktiker im Jahr 2019 nicht gewesen, hätte ich vermutlich nicht studiert. Ziel dieser war meiner Meinung nach nämlich die Diskreditierung und das Vorantreiben der Abschaffung der Heilpraktiker:innen in Deutschland. Damals überlegte ich, was ich bei diesem „GAU“ und im schlimmsten Fall künftig beruflich machen könnte. Ich hörte mich um, recherchierte und bekam die Lösung aus der Schweiz. Dort werden TCM-Therapeuten händeringend gesucht, doch müssen sie ein abgeschlossenes TCM-Studium haben. Meine Entscheidung, das Medizinstudium an der SGTCM und ZCMU zu absolvieren, war somit getroffen! Mein Gedanke war tatsächlich ‚Falls der „Heilpraktiker“ von irgendeinem Gesundheitsminister aus irgendwelchen Gründen eingeschränkt oder gar abgeschafft würde, hätte (und habe ich) als Bachelor der TCM nun die Option, in der Schweiz arbeiten und vielleicht auch leben zu können.‘ Insofern möchte ich mich im Nachhinein herzlich für die negative Stimmung der Medien und Politik gegen Heilpraktiker bedanken. Ohne sie wäre ich heute kein Bachelor der TCM. – Tja, wenn dir das Leben Zitronen gibt, dann mach Limonade draus!
Aus ganzem Herzen bedanken möchte ich mich jedoch bei Xiaoyan Wiesemann und ihrer SGTCM. Ohne sie, ihren Einsatz, ihre enorme Kraft und ihr positives und verbindliches Wirken wäre es – meiner Meinung nach – nicht weitergegangen mit dem Bachelor- Programm. Ich habe Xiaoyan erlebt, mit welcher Überzeugung und mit welch unermüdlichem Verhandlungsfleiß sie sich für uns deutsche Bachelor-Studenten in China und an der Zhejiang-University eingesetzt hat. Sie hatte viele, viele schlaflose Nächte wegen uns gehabt und vermittelte mir dennoch eine derartige Sicherheit, dass ich und meine Kommilitonen den Bachelor-Abschluss machen. Sie stellte sicher, dass unser Studium während der schwierigsten Corona-Zeit weiterging, mit Online-Vorlesungen und Supervision aus China und Deutschland.
Mein Gedanke war tatsächlich praktisch ‚Falls der „Heilpraktiker“ von irgendeinem Gesundheitsminister aus irgendwelchen Gründen eingeschränkt oder gar abgeschafft würde, hatte (und habe ich) als Bachelor der TCM nun die Option, in der Schweiz arbeiten und vielleicht auch leben zu können.
Zum Absolvieren der restlichen Klinikstunden und Präsentation der Bachelorarbeit waren wir Bachelor-Studenten 2024 wieder in Hangzhou gewesen. Sowohl an der Universität als auch im Lehrkrankenhaus verbrachten wir eine lehrreiche und aufgeschlossene Zeit, in der wir zum Abschluss nochmals viel lernen und erleben durften. Es sind dort viele Freundschaften zwischen uns und den Ärzten und Dolmetschern entstanden. Der Austausch zwischen China und Deutschland geht weiter. Meiner Meinung nach waren und sind wir so was wie praktische Diplomaten, die den einfachen Menschen ein freundliches und gutes Bild der Deutschen hinterlassen haben, und nicht, dass wir keinen Humor haben und nicht lachen können.
Xiaoyan verdient meiner Meinung nach einen Tapferkeitsorden. Den wird sie von offizieller und politischer Seite wohl nie erhalten. Doch wir, die nun abschließenden Bachelor-Studenten und die noch studierenden an der SGTCM, verleihen Xiaoyan Wiesemann und ihrer SGTCM diesen aus ganzem Herzen. Würde ich nicht langsam auf die Rente zugehen, dann würde ich nun mit dem Master- und Doktorstudium bei Xiaoyan starten. Aber irgendwann muss dann mal Schluss sein, oder?
