Der Martinstag als westliche Entsprechung zum chinesischen Lìdōng (Beginn des Winters)“

Der Sonnenkalender ist in der chinesischen Tradition von entscheidender Bedeutung für die Landwirtschaft, vergleichbar mit dem westlichen Bauernkalender. Eine Parallele zu ‚Li Dong‘, dem chinesischen Winterbeginn, ist der 11. November – der Martinstag in der westlichen Kultur.

Die Tage um den Martinstag markiert den Übergang zum Winter. Die Tage werden immer kürzer und die fehlende Sonneneinstrahlung lassen die Temperaturen sinken, es wird immer kälter. Der Übergang vom Herbst zum Winter ist unverkennbar zu spüren.

Historisch war der 11. November in der Landwirtschaft von großer Bedeutung und markiert den meteorologischen Beginn des Winters. Bauern bringen die letzten Ernten ein, bringen die Saat für Winterpflanzen aus, bereiten Felder für den Winterschlaf vor und kümmern sich um ihre Tiere in geschützten Ställen. 

Die Natur beginnt sich zurückzuziehen, Pflanzen lassen ihre Blätter fallen, und die Vorbereitungen auf den Winter beginnen. Traditionell wurde das Wetter am Martinstag als Vorhersage für den Winter betrachtet, was Landwirten half, ihre Planungen anzupassen.

Die Bräuche rund um den Martinstag sind vielfältig. Martinsfeuer werden entzündet, Laternenumzüge organisiert und die Legende des heiligen Martin auf seinem Pferd, der seinen Mantel teilt, wird oft dargestellt. Diese Bräuche symbolisieren Licht, Hoffnung und Gemeinschaft. Das Entzünden von Feuern steht für Reinigung, Erneuerung und Wärme und schafft Zusammengehörigkeit in der Gemeinschaft.

Mit dem Ende des landwirtschaftlichen Wirtschaftsjahrs, mussten Zinsen und Pachtschulden beglichen und Knechten und Mägden musste der Lohn ausbezahlt werden. Um die Schulden zu abtragen, wurden die über den Sommer und Herbst aufgezogenen Gänse verkauft.

Einerseits wurde ausgelassen gefeiert, es fanden Jahrmärkte und Schlachtfeste statt und man ließ es sich nochmal richtig gut gehen. Wie ein zweites Erntedankfest.

Auch der Wein der im September geerntet und vergoren wurde war nun trinkbar.

Arbeiter und Angestellte wurden am 10. November aus dem Dienst entlassen und mussten ohne Verdienst über den Winter kommen, was sicher kein Grund zum Feiern war. Um ihren Eltern zu helfen, zogen die Kinder von Hof zu Hof, sangen Martinslieder und baten um Vorräte für den Winter.

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