lì dōng 立冬 – Winterbeginn: die Veränderung der Nature und im menschlichen Körper

„Li Dong“ (立冬) – Winterbeginn/ Beginn der kalten Jahreszeit

Am heutigen Donnerstag, dem 7. November 2024, um 18:35 Uhr, markiert der chinesische Kalender den Einzug des Winters, genauer gesagt den Beginn der Phase, die als “Li Dong” (立冬 – Winterbeginn) bekannt ist.


“Li Dong” erstreckt sich über 15 Tage und wird am 22. November von der Phase “Xiao Xue” (小雪 – Leichter Schnee) abgelöst, gefolgt von “Da Xue” (大雪 – Großer Schnee), die zwei Wochen später beginnt. Der “chinesische Winter” setzt somit 45 Tage vor dem 21. Dezember ein, dem Tag der Wintersonnenwende, der als “Dong Zhi” (冬至) bekannt ist. Dies ist der kürzeste Tag sowie die längste Nacht des Jahres – der “yin’st” Tag des Jahres.

Die Tage vor “Li Dong” markieren das Ende des Herbstes und werden als “Shuangjiang” (霜降 – Fallender Reif)bezeichnet. In dieser Periode tritt der erste Frost auf, und die Temperaturen beginnen merklich zu sinken.


Der Wandel von Yin und Yang im Winter

Nachdem sich in den Monaten nach dem Sommer und während der Herbstabschnitte das “Wei Qi” (Abwehrenergie) immer mehr von der Oberfläche zurückgezogen hat, vollzieht sich mit “Li Dong” der vollständige Rückzug ins Innere der Erde. Gleichzeitig bereitet sich das “Yang Qi” darauf vor, bald wieder aufzusteigen. Diese Veränderung stellt einen wichtigen Wendepunkt dar, an dem die Kräfte von Yin und Yang ihre Balance neu finden.


Veränderungen in der Natur

Mit dem Beginn von “Li Dong” zeigt die Natur deutlich, wie sich Energien und Ressourcen zurückziehen:

  • Die im Sommer gespeicherte Sonnenwärme wird nun vollständig in die Erde abgegeben und im sogenannten “Bodenwasser” gespeichert.
  • Wasser und Feuchtigkeit verdampfen kaum noch.
  • Obwohl die Umgebung kalt und feucht sein mag, fehlt der Feuchtigkeit im Winter die nährende Wirkung.

Die Trockenheit des Herbstes (Metall-Element) resultiert aus dem Rückzug von Energie und Nährstoffen nach innen und unten:

  • Nährstoffe und Energie ziehen sich in die Stämme und Wurzeln der Pflanzen zurück, was die Blätter gelb, braun oder rot werden lässt.
  • Die letzte Herbstpracht der Natur ist ein Zeichen des Abschieds, bevor die Energien endgültig ruhen.
  • Während alte Blätter abfallen, entstehen bereits neue “Yang-Sprossen”, die im Frühjahr austreiben werden.

Veränderungen im menschlichen Körper

Der menschliche Körper passt sich den Veränderungen in der Natur an. Die Yang-Energie (Wei Qi) zieht sich nach innen zurück:

  • Die Poren der Haut schließen sich, Blutgefäße ziehen sich zusammen, und der Körper reduziert die Verdunstung von Flüssigkeiten.
  • Der Rückzug des Yang kann den Körper anfälliger für äußere Einflüsse machen, was Schutzmaßnahmen wie warme Kleidung und die richtige Ernährung besonders wichtig macht.
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Häufige Beschwerden im Winterbeginn:

  1. Schmerzen in Muskeln, Sehnen und Knochen (z.B. Rheuma): Durch die Kälte können Bewegungseinschränkungen auftreten.
  2. Atemwegserkrankungen: Husten und Asthma können sich verschlimmern.
  3. Nervosität und Unruhe: Das Yang will wieder aufsteigen und sorgt bei manchen Menschen für innere Unruhe.
  4. Ängste und Zurückgezogenheit: Einige Menschen sind besonders empfindlich gegenüber der dominanten Yin-Energie.
  5. Appetitlosigkeit: Die Funktion der Milz, die mit dem Element Erde assoziiert wird, kann durch die Kälte beeinträchtigt sein.

Pflege von Körper und Geist

In der Phase von “Li Dong” ist es wichtig, den Körper warm zu halten und die Ernährung anzupassen:

  • Wärmende Speisen wie Ingwer, Zimt und Suppen helfen, die innere Wärme zu bewahren.
  • Lamm und Wild, mit Wurzelgemüse, Kohl etc. nähren und halten warm.
  • Stressreduktion und Ruhe unterstützen die natürliche Rückzugsbewegung von Yin und Yang.
  • Leichte Bewegung, wie Tai Chi oder Yoga, fördert die Zirkulation des Qi ohne das Yang zu überfordern.

Indem wir uns den natürlichen Rhythmen von Yin und Yang anpassen, können wir diese Phase des Rückzugs und der Erneuerung bestmöglich nutzen, um gestärkt in den kommenden Frühling zu starten.

St. Martin Martinstag als westliche Entsprechung 

Eine interessante Parallele zu “Li Dong”, dem chinesischen Winterbeginn, findet sich in der westlichen Kultur im Martinstag am 11. November. Wie in der chinesischen Tradition steht auch hier der Sonnenkalender im Mittelpunkt, insbesondere für die Landwirtschaft.

Die Tage um den Martinstag markieren den Übergang zum Winter:

  • Die Tage werden kürzer, und die fehlende Sonneneinstrahlung lässt die Temperaturen sinken.
  • Pflanzen lassen ihre Blätter fallen, und die Natur zieht sich zurück.
  • Landwirte bringen die letzten Ernten ein, säen Winterpflanzen aus und bereiten Felder und Ställe für den Winter vor.

Historische Bedeutung:

  • Am 11. November endete traditionell das landwirtschaftliche Jahr. Zinsen und Pachtschulden wurden beglichen, und Knechte und Mägde erhielten ihren Lohn.
  • Schlachtfeste, Jahrmärkte und das Teilen von Essen – insbesondere Gänse und frisch vergorener Wein – machten diesen Tag zu einem Fest.
  • Kinder gingen singend von Haus zu Haus, um Vorräte für den Winter zu sammeln.

Symbolik und Bräuche:

  • Martinsfeuer und Laternenumzüge symbolisieren Licht, Hoffnung und Gemeinschaft.
  • Die Geschichte vom heiligen Martin, der seinen Mantel mit einem Bedürftigen teilt, betont Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft.
  • Das Feuer steht für Wärme, Reinigung und Erneuerung – ähnliche Konzepte, wie sie im chinesischen Denken mit “Yang” und der Vorbereitung auf den Frühling verbunden sind.

Der Martinstag und “Li Dong” sind kulturell unterschiedliche, aber in ihrer Essenz vergleichbare Übergänge in die kalte Jahreszeit. Beide markieren den Beginn eines Zyklus des Rückzugs und der Erneuerung, der sowohl die Natur als auch den Menschen betrifft.

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