Am 5. Januar 2025, beginnt die 23. Phase der 24 Jahresabschnitte, die „Kleine Kälte“ (Xiao Hán (小寒)) und wird in 15 Tagen von der Phase „Große Kälte“ (Dà Hán (大寒)) abgelöst. Xiao Hán beginnt 15 Tage nach der Wintersonnenwende und fällt in die Zeit der sogenannten „Zweiten und Dritten Neuner-Tage“ („Erjiu“ und „Sanjiu“), die jeweils 9 Tage sowie 18 Tage nach der Wintersonnenwende beginnen. Diese Zeit ist in der chinesischen Tradition bekannt für ihre extreme Kälte, was in dem Sprichwort „Kleine Kälte während Erjiu und Sanjiu, eiskalt bis zum Zittern“ („小寒时处二三九,天寒地冻冷到抖“) zum Ausdruck kommt.
Eine bekannte Volksweisheit lautet: „Dreimal neun stärken im Winter, keine Krankheiten im nächsten Jahr“. Der Winter ist eine ideale Zeit zur Stärkung von Körper und Geist, da der Organismus nach den Belastungen von Frühling und Sommer geschwächt sein kann.
In Deutschland folgt der Dreikönigstag am 6. Januar in diesem Jahr einen Tag nach Xiao Hán. Dieser markiert das Ende der Weihnachtszeit sowie der Raunächte. An diesem Tag ziehen die Sternsinger von Haus zu Haus, segneten die Haushalte und sammelten Spenden für wohltätige Zwecke.
Die Sonne steht während der Kleinen Kälte auf ihrer Umlaufbahn (Ekliptik) bei einem Winkel von 285°. Obwohl der kürzeste Tag des Jahres bereits mit der Wintersonnenwende am 21. Dezember vergangen ist, hat das Tageslicht bis zu diesem Tag nur etwa 7 Minuten gewonnen. Dennoch beginnt das Yang Qi (die aufsteigende Energie) weiter an Kraft zu gewinnen, während das Yin Qi noch immer die Atmosphäre dominiert. Diese Zeit ist geprägt von tiefem Frost und den kältesten Tagen des Jahres.
Warum wird es kälter, obwohl die Tage länger werden?
Auch wenn die Winterperiode in der TCM offiziell Anfang November beginnt, bleibt es bis zur Wintersonnenwende relativ mild. Der Boden speichert noch Wärme aus den Sommer- und Herbstmonaten. Nach der Sonnenwende ist diese Wärme jedoch vollständig aufgebraucht, und die kältesten Tage des Jahres beginnen. Auch wenn die Sonnenstrahlen allmählich wieder an Intensität gewinnen, reicht ihre Kraft noch nicht aus, um die Wärmeverluste auszugleichen. Die kalten Temperaturen halten daher bis weit in den Januar an.
Klimatische Merkmale der Kleinen Kälte
- Xiao Hán markiert den Beginn der strengsten Kälteperiode im Jahr.
- Diese Zeit ist durch Trockenheit und extreme Kälte geprägt, was sich auf die Gesundheit und das Wohlbefinden auswirken kann.
Einfluss der Kälte auf den Körper
- Die Kälte wird in der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) als Yin-Energie betrachtet, die den Körper belasten und die Yang-Energie schwächen kann.
- Kälte führt dazu, dass Blut und Energie stagnieren, da „Blut in der Kälte gerinnt“. Dies kann gesundheitliche Probleme wie Durchblutungsstörungen oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen begünstigen.
Gesundheitliche Herausforderungen
- Menschen mit Herzkrankheiten, Bluthochdruck oder einer Neigung zu Schlaganfällen sind in dieser Zeit besonders gefährdet, da die Kälte Symptome verschlimmern kann.
- Es wird daher empfohlen, den Körper gut zu wärmen und die Abwehrkräfte zu stärken.
Klimatische Besonderheiten 2025
In unseren Breiten erleben wir auch in diesem Winter ungewöhnlich milde Temperaturen. Der Golfstrom, zusammen mit den Auswirkungen des Klimawandels, führt zu warmen Luftmassen, die für diese Jahreszeit untypisch sind. Bereits im vergangenen Jahr, 2023, begann die Haselnussblüte ungewöhnlich früh im Dezember. Auch in diesem Winter wird aufgrund der anhaltenden Wärme eine verfrühte Blüte von Haselnuss und Erle erwartet. Dies stellt eine Belastung für Allergiker dar, da damit die Heuschnupfenzeit deutlich früher beginnt.
Traditionell gilt die Zeit der „Kleinen Kälte“ als eine Periode, in der häufig neue Kälterekorde aufgestellt werden. Gleichzeitig gewinnen die Sonnenstrahlen immer mehr an Kraft, und der Frühling (Lì Chūn (立春)) Anfang Februar rückt näher.
In unserem Garten lassen sich bereits erste Anzeichen des kommenden Frühlings erkennen: Schneeglöckchen und Gänseblümchen bahnen sich ihren Weg durch den Frost. Die blühenden Pflaumenbäume, der Winterjasmin und die Winterblüte sind Vorboten des Frühlings, auch wenn die kalten Tage uns noch bevorstehen. In Bonn erstrahlen Mitte Januar die chinesischen Pflaumenbäume in voller Blüte – ein magisches Zeichen der bevorstehenden Veränderung.
Die drei „Hòu (候)“ der „Kleinen Kälte“
Jeder der 24 Jahresabschnitte wird in der traditionellen chinesischen Kalenderlehre in drei Fünf-Tages-Perioden, sogenannte „Hòu (候)“, unterteilt. Diese beschreiben saisonale Veränderungen in der Natur, insbesondere in den Lebenszyklen von Tieren und Pflanzen.
Die Elstern bauen ihre Nester (Hòu 69, Què Shǐ Cháo (鹊始巢))
Die Elstern beginnen in der zunehmenden Sonne ihre Nester zu errichten. Sie suchen bereits seit Oktober nach geeigneten Plätzen, doch der eigentliche Bauprozess startet jetzt, wenn das Yang Qi wieder zunimmt.
Die Gänse ziehen nach Norden (Hòu 67, Yàn Běi Xiàng (雁北向))
Dies ist eine Metapher: Die Wildgänse beginnen ihren Rückzug aus den wärmsten südlichen Gebieten, verweilen jedoch vorerst in milderen Regionen, da es weiter im Norden noch zu kalt ist. Erst nach Lì Chūn setzen sie ihre Reise fort.
Die Fasane beginnen zu rufen (Hòu 68, Zhì Shǐ Gòu (雉始鸂))
Trotz der kalten Temperaturen beginnt die Paarungszeit der Fasane. Ihr markanter Ruf durch die verschneiten Wälder signalisiert den nahenden Frühling und markiert das Territorium der Männchen.
von Gerd Wiesemann
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