Große Kälte – dà hán 大寒

Die kälteste Phase des Winters in der chinesischen Medizin

Einleitung: Die Bedeutung der „Großen Kälte“

Die „Große Kälte“ (Dàhán) ist der letzte der 24 traditionellen Jahresabschnitte im chinesischen Kalender und markiert das Ende des Winters sowie den Übergang in den neuen Jahreszyklus. Im Jahr 2025 beginnt die „Große Kälte“ am 20. Januar und endet am 2. Februar. Diese Phase fällt in die „vier mal neun“ (四九, sìjiǔ) und „fünf mal neun“ (五九, wǔjiǔ) Tage, die als die kältesten Abschnitte des Winters gelten. Während dieser Zeit erreicht das Yin seinen Höhepunkt, und das Yang-Qi beginnt allmählich wieder zu keimen, bleibt jedoch noch verborgen. Nach der chinesischen Tradition wird der Winter in diese „Neun-Tage-Perioden“ unterteilt, wobei jeder Abschnitt neun Tage umfasst. Die Tage der „Großen Kälte“ markieren somit die härtesten Perioden des Jahres, bevor das Yang langsam wieder stärker wird.

Wie bei der „Kleinen Kälte“ sind Niederschläge in der „Großen Kälte“ selten. Diese Trockenheit macht diese Phase gemeinsam mit ihrer extremen Kälte zu einer der härtesten Perioden des Jahres. 

In Teilen Chinas erreicht die Kälte während Dàhán zwar ihren Höhepunkt, in manchen Regionen kann sie jedoch milder ausfallen.   

Die energetische Bedeutung der „Großen Kälte“ liegt in der Bewahrung und Stärkung von Körper und Geist. Harmonie mit den natürlichen Rhythmen ist essenziell, um den Kreislauf von Yin und Yang zu unterstützen und auf das kommende Frühjahr vorbereitet zu sein.

Das Frühlingsfest: Ein Neubeginn inmitten der „Großen Kälte“

Das Frühlingsfest, auch bekannt als Chinesisches Neujahrsfest, ist das wichtigste und traditionsreichste Fest in China. Es fällt jedes Jahr auf ein anderes Datum, und richtet sich nach dem lunisolaren Kalender. Der Beginn liegt stets zwischen dem 21. Januar und dem 20. Februar. Der genaue Zeitpunkt hängt von der zweiten Neumondphase nach der Wintersonnenwende ab. Aber im Jahr 2025 liegt es in der Zeit der „Großen Kälte“ vom 28. Januar bis 4. Februar und symbolisiert eine Brücke zwischen Winter und Frühling. In diesen Tagen versammelt sich die Familie, um das vergangene Jahr zu verabschieden und das kommende mit Hoffnung und Glück zu begrüßen.

Ein besonderer Höhepunkt ist das gemeinsame Abendessen am Vorabend des Neujahrs, bei dem traditionelle Gerichte wie Jiaozi (Teigtaschen), Reiskuchen (Nian Gao) und Fisch serviert werden. Diese Speisen tragen symbolische Bedeutungen wie Einheit, Wachstum und Überfluss. Nach dem Essen folgt das Begrüßen des neuen Jahres, begleitet von Feuerwerken und traditionellen Darbietungen wie Löwentänzen, die Freude und Segen bringen sollen.

Obwohl der Frühling offiziell noch nicht begonnen hat, markiert das Fest den Beginn eines neuen Zyklus. Es steht nicht nur für den Abschied vom Alten, sondern auch für die Vorbereitung auf einen hoffnungsvollen Neubeginn, der die Kälte hinter sich lässt und das kommende Jahr willkommen heißt. 

Bedeutung und Brauchtum von Dàhán in China

Die „Große Kälte“ ist nicht nur ein klimatischer Abschnitt, sondern auch eine Zeit voller Bräuche und kultureller Rituale in China. Sie markiert den Übergang vom alten Jahr in das neue und dient der Vorbereitung auf das Frühlingsfest.

Während der „Großen Kälte“ werden in China zahlreiche traditionelle Bräuche gepflegt, die tief in der ländlichen Kultur verankert sind. Besonders bekannt ist das Pökeln von Fleisch und die Zubereitung von haltbaren Lebensmitteln wie Würsten und gesalzenem Fleisch, die bis ins Frühjahr genossen werden können. Ein weiteres Ritual ist die Zubereitung des traditionellen „Laba-Brei“, ein Gericht aus Getreide, Nüssen und Trockenfrüchten, das am 8. Tag des 12. Mondmonats als Stärkung für die kalte Jahreszeit dient.

Auch in der Landwirtschaft gibt es je nach Region unterschiedliche Aktivitäten. Während im Norden die Felder oft brachliegen und die Menschen sich auf die Kompostierung zur Vorbereitung auf das Frühjahr konzentrieren, bleibt die Feldarbeit im Süden Chinas aktiv. Hier werden Winterkulturen wie Weizen und Raps weiterhin gepflegt, um die Erträge zu sichern.

Während der „Großen Kälte“ werden in China Häuser gereinigt, alte Dekorationen entfernt und durch neue ersetzt. Opfergaben für Ahnen und Götter sind dabei ein zentraler Bestandteil, um Schutz und Segen für das kommende Jahr zu erbitten. Diese Rituale bieten den Menschen eine Gelegenheit zur Besinnung und schaffen eine spirituelle Verbindung zwischen Vergangenheit und Zukunft. Die kulinarischen Bräuche zur „Großen Kälte“ umfassen Gerichte wie den „Laba-Brei“ (腊八粥) und klebrige Reiskuchen (年糕), die Körper und Geist stärken sollen.

Das ist ein spezielles Ritual während Dàhán, das ursprünglich als Dankopfer für den Erdgott galt. Heute hat es sich zu einem Anlass entwickelt, bei dem Gemeinschaften und Unternehmen gemeinsam das Jahr reflektieren und feiern. Dieses Ritual bietet eine Gelegenheit, auf das vergangene Jahr zurückzublicken und sich gemeinsam auf das kommende Jahr vorzubereiten.

Diese Bräuche und landwirtschaftlichen Tätigkeiten unterstreichen die Bedeutung der „Großen Kälte“ als Zeit der Reflexion, des Abschieds und der Vorfreude auf den Frühling. Sie bieten eine Gelegenheit, sich mit Familie und Gemeinschaft zu verbinden und gleichzeitig althergebrachte Traditionen zu pflegen.

Die energetischen Qualitäten der „Großen Kälte“

Klimatische und energetische Merkmale

Die „Große Kälte“ ist oft geprägt von extremen Wetterbedingungen. Schneefälle, starke Temperaturunterschiede und langanhaltender Bodenfrost sind charakteristisch für diese Jahreszeit. Trotz dieser harten Bedingungen gehört die „Große Kälte“ gemeinsam mit der „Kleinen Kälte“ zu den trockensten Perioden des Jahres, da in vielen Regionen Chinas nur geringe Niederschläge auftreten. In Deutschland gilt der Februar als eine der niederschlagsärmsten Zeiten des Jahres. Diese Kombination aus extremer Kälte und Trockenheit stellt besondere Anforderungen an die Landwirtschaft und das tägliche Leben. Insbesondere Winterkulturen und Vieh benötigen in dieser Zeit besonderen Schutz vor den harschen Witterungsbedingungen.

Die Phase der „Großen Kälte“ ist oft durch extreme Kälte und gefrorene Landschaften geprägt, was in den drei Unterabschnitten (Wu Hou) der Jahreszeit poetisch beschrieben wird:

  • „Hühner beginnen zu brüten“ (雞始乳 Ji shi ru)
  • „Falken fliegen schnell und kühn“ (鷹鳥厉疾 Zhi niao li ji)
  • „Flüsse und Seen sind im Inneren gefroren“ (水澤腹堅 Shui ze fu jian)

Obwohl die Temperaturen nicht zwangsläufig niedriger als in der Phase der „Kleinen Kälte“ sind, bleibt das Yang-Qi weiterhin verborgen, obwohl es bereits kräftiger geworden ist. Es steckt aber noch in der Erde und erhebt sich erst ab dem 3. Februar mit dem Frühlingsbeginn. In südlicheren Regionen kann die „Große Kälte“ kälter empfunden werden als im Norden, während in milden Regionen wie Sizilien vergleichsweise warme Temperaturen herrschen können.

Gesundheit und Lebensstil

Die „Große Kälte“ erfordert besondere Maßnahmen, um Körper und Geist gesund zu halten. Frühzeitiges Schlafengehen und spätes Aufstehen werden empfohlen, um den natürlichen Rhythmus von Yin und Yang zu unterstützen. Intensive körperliche Aktivitäten sollten weiterhin reduziert werden, um die Erschöpfung von Yang-Qi zu vermeiden. Stattdessen sind sanfte Bewegungsformen wie Qigong oder Yoga geeignet.

Auch die Ernährung spielt eine zentrale Rolle: Warme, nahrhafte Speisen wie Suppen und Eintöpfe helfen, den Körper von innen zu stärken. Kräutertees mit Ingwer und Datteln können zusätzlich wärmend wirken. Wichtig ist zudem, sich vor Kälte zu schützen und die Immunabwehr zu stärken, um typischen Winterkrankheiten vorzubeugen.

Verhaltensempfehlungen während Dàhán

Schutz vor Kälte und Schonung des Körpers

In dieser Phase ist es entscheidend, die Körperwärme zu bewahren. Zu hohe Raumtemperaturen oder zu warme Kleidung können jedoch dazu führen, dass das Wei-Qi (Abwehrenergie) an die Oberfläche gelangt, übermäßiges Schwitzen verursacht und das Yang-Qi verpufft. Wichtig ist es daher:

  • Mäßig warme Kleidung zu tragen
  • Den unteren Rücken und die Füße besonders warmzuhalten
  • Länger zu schlafen und übermäßige Aktivität zu vermeiden
Ernährungsempfehlungen
  • Die Ernährung spielt während der „Großen Kälte“ eine zentrale Rolle, um Körper und Geist gegen die extremen Witterungsbedingungen zu schützen. Besonders warme, nahrhafte Speisen wie Suppen, Congees und Eintöpfe eignen sich hervorragend, um die innere Wärme zu fördern. Lebensmittel mit wärmenden Eigenschaften, wie Wallnüsse, Maronen, Longanfrüchte, Rosinen, Datteln und Feigen, werden für den Winter empfohlen. 
  • Auch Fleischsorten wie Rind, Huhn und Lamm gelten als ideal, da sie das Yang-Qi stärken und den Energiehaushalt unterstützen.
  • Wurzelgemüse und Yamswurzeln unterstützen die Stärkung von Körper und Geist.

Neben wärmenden Speisen wird der Konsum von Kräutertees mit Ingwer und Datteln empfohlen, die zusätzlich die Durchblutung fördern und Kälte vertreiben. Gleichzeitig sollte auf Alkohol verzichtet werden, da dieser zwar kurzfristig Wärme erzeugt, jedoch langfristig die innere Wärme des Körpers mindern kann. Eine bewusste, nährstoffreiche Ernährung ist somit essenziell, um den Herausforderungen der „Großen Kälte“ gestärkt begegnen zu können.

Akupunktur und Wärmetherapie in der Zeit der „Großen Kälte“

Bedeutung der Akupunktur

Die Akupunktur nutzt spezifische Punkte, um die energetische Balance während der „Großen Kälte“ zu bewahren. Wichtige Punkte sind:

  • Shen Shu (Blase 23): Stärkt die Nieren und Vitalität
  • Ming Men (Du 4): Aktiviert das Yang und fördert die Wärme
  • Ren 4 (Guan Yuan): Unterstützt die Essenz und das Yang
  • Ni 3 (Tai Xi): Reguliert das Yin und stärkt die Nieren
Wärmetherapie

Die Moxibustion ist besonders effektiv, um:

  • Yang-Qi zu aktivieren
  • Kälte auszuleiten
  • Die Blutzirkulation zu fördern

von Gerd Wiesemann

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