Es ist der zweite Abschnitt des Jahres und beginnt jedes Jahr zwischen dem 18. und 21. Februar. In diesem Jahr 2025 fällt der erste Tag der 15-tägigen „Yǔshuǐ“-Regenwasser-Periode auf den 18. Februar. Er markiert einen weiteren Schritt des Frühlingsbeginns. Auch wenn derzeit die kältesten Tage des Winters herrschen, steigen die Temperaturen ab Donnerstag spürbar in den Frühlingsbereich.
Bedeutung und Naturphänomene
Yǔshuǐ signalisiert eine Phase zunehmender Niederschläge, die den Winter allmählich vertreibt und das Erwachen der Natur fördert. Während die Temperaturen langsam steigen, beginnt der Boden aufzutauen, und die Feuchtigkeit in der Luft nimmt zu. In vielen Regionen Chinas ist diese Zeit durch sanfte Frühlingsregen geprägt, die das Wachstum der Pflanzen fördern und für die kommende Ackerbausaison essenziell sind.
Die drei kleineren Perioden, die „Wu Hou“ des Regenwassers, sind phänologische Abschnitte, die Entwicklungserscheinungen in der Natur markieren:
- „Ta ji yu“ (獺祭魚) – Otter opfern Fische
- „Hong yan lai“ (鴻雁來) – Schwanengänse (Wildgänse) erscheinen
- „Caomu mengdong“ (草木萌動) – Die Vegetation (Pflanzen) sprießt
Mit dem Auferstehen der Natur werden die Fische aktiver, und der Otter hat reichlich Nahrung. Er tötet mehr Fische, als er fressen kann, und legt sie auf dem Eis ab, was aussieht, als würde er sie opfern, daher der Name.
Während in China die Schwanengänse gen Norden fliegen, sind es bei uns die Schneegänse und Kraniche, die lauthals trötend den Frühling ankündigen, wenn sie gen Norden ziehen. Und schließlich sprießen die Pflanzen aus dem Boden, wie man es überall sehen kann.
Der Sonneneinfallswinkel wird täglich steiler, die Tage werden länger, und die Temperaturen steigen. Eis und Schnee schmelzen, und es regnet vermehrt. Damit die Pflanzen wachsen können, benötigt der Frühling (Holz) ausreichend Wasser. Diese Regenzeit ist besonders günstig, um Wasserreservoire zu füllen.
Landwirtschaftliche Bedeutung
Mit dem Einsetzen der Regenfälle beginnen Bauern, ihre Felder vorzubereiten. Der feuchte Boden erleichtert das Pflanzen von Getreide und anderen Feldfrüchten. Besonders wichtig ist in dieser Phase die Bewässerung und Pflege der jungen Setzlinge, um eine gute Ernte im späteren Jahr zu gewährleisten. Der Volksglaube besagt, dass ausreichender Regen während Yǔshuǐ ein fruchtbares Jahr verspricht.
Der willkommene Niederschlag ist essenziell für das Ergrünen und Erblühen der Natur, nach dem Motto „Wasser ernährt das Holz“.
Volksglaube und Bräuche
In einigen Regionen Chinas gibt es Bräuche, die sich speziell auf Yǔshuǐ beziehen. Ein Beispiel ist das Verehren des Drachen, da dieser als Regenbringer und Glückssymbol verehrt wird. Auch das Sammeln von Regenwasser gilt in einigen ländlichen Gebieten als Brauch, da es als besonders rein und kraftvoll angesehen wird.
Gesundheitliche Auswirkungen
Da es jedoch noch kalt ist, teilweise auch friert und es viel regnet, wird der Körper schnell durch Feuchtigkeit und Kälte angegriffen, was die Nieren beeinträchtigen und die Milz und den Magen schädigen kann.
Da es wärmer wird, ist man geneigt, schnell die dicke, wärmende Kleidung des Winters abzulegen, aber das birgt einige Gefahren. Es gibt immer noch Temperaturschwankungen, und das Wei Qi (Yang Qi) des Körpers hat sich im Winter ins Innere zurückgezogen, was die Oberfläche weniger gut geschützt hat. Daher ist die Haut, die Oberfläche, immer noch relativ locker und ungeschützt, was die Widerstandskraft gegen Feuchtigkeit und Kälte verringert und sie schnell eindringen lässt. Daher ist es sinnvoll, auf das sogenannte **Chun Wu („Frühlingsschützen oder -bedecken“) ** zu achten, d.h. die Winterkleidung nicht wegzupacken und sich weiterhin zu schützen.
Traditionell gilt Yǔshuǐ auch als eine Zeit, in der sich Yin- und Yang-Energien im Körper ausgleichen. Die Chinesische Medizin (TCM) empfiehlt daher Maßnahmen zur Stärkung der Milz und des Magens, um Feuchtigkeitsansammlungen im Körper zu vermeiden.
Ernährung während Yǔshuǐ
Während der Regenwasserzeit (Yǔshuǐ) sollte die Ernährung darauf ausgerichtet sein, den Körper zu stärken, Feuchtigkeit auszuleiten und das Immunsystem zu unterstützen. In der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) wird diese Zeit als kritisch für die Milz- und Magenfunktion betrachtet, da Kälte und Feuchtigkeit das Verdauungssystem schwächen können. Eine angepasste Ernährung hilft, das innere Gleichgewicht zu bewahren und die Widerstandskraft des Körpers zu stärken.
Die Bedeutung der richtigen Ernährung in der Frühlings-Regenzeit
Der berühmte TCM-Arzt Sun Simiao sagte:
„Im Frühling sollten wir weniger Saures und mehr Süßes essen, um die Milzenergie zu stärken.“
Diese Idee basiert auf den fünf Wandlungsphasentheorie der TCM:
- Die Milz gehört zum Wandlungsphase Erde und ist für Verdauung und Energiegewinnung verantwortlich.
- Der Frühling wird dem Holz-Element zugeordnet, das das Erde-Element kontrolliert.
- Ein Überschuss an Holz (z. B. durch saure Lebensmittel) kann die Milz schwächen, während natürliche Süße die Erde stärkt und Feuchtigkeit reduziert.
Empfehlungen:
- Säure vermeiden: Stark saure Lebensmittel wie Essig, fermentierte Speisen und große Mengen an Zitrusfrüchten sollten reduziert werden, da sie die Milz belasten und Feuchtigkeit im Körper halten können.
- Leicht süße Lebensmittel bevorzugen: Natürliche Süße aus Kürbis, Süßkartoffeln, Karotten, Hafer und Reis stärkt die Milz und unterstützt die Verdauung.
- Feuchtigkeit ausleiten: Da feuchte Witterung Verdauungsbeschwerden und Trägheit begünstigt, helfen Lebensmittel wie Gerste, Adzukibohnen, Linsen, Mais und Pilze, überschüssige Feuchtigkeit auszuleiten.
- Warme, gekochte Speisen: Sie sind bekömmlicher und entlasten den Magen. Rohkost und kalte Speisen sollten in dieser Zeit möglichst reduziert werden.
Empfohlene Lebensmittel für Yǔshuǐ
Milz und Magen stärken
- Kürbis, Süßkartoffeln, Karotten, Hafer, Reis, Hirse
- Warme, gekochte Mahlzeiten statt Rohkost
Feuchtigkeit ausleiten
- Gerste, Adzukibohnen, Linsen, Mais
- Pilze, Lotuswurzel
- Ingwer, Kardamom, Fenchel
Immunsystem unterstützen
- Knoblauch, Zwiebeln, Lauch, Frühlingszwiebeln
- Vitamin-C-reiche Lebensmittel in Maßen (z. B. Kiwis, Hagebutten, Goji-Beeren)
Leichte, ausgewogene Ernährung
- Gedünstete oder gekochte Gerichte mit viel Gemüse
- Mageres Eiweiß wie Fisch oder Huhn
- Verzicht auf schwere, fettige oder stark zuckerhaltige Speisen
Warme Getränke bevorzugen
- Ingwertee, Fencheltee oder warmes Wasser mit Ingwer + Zitrone
- Verzicht auf eiskalte Getränke
Regelmäßige Mahlzeiten einhalten
Ein fester Essensrhythmus stabilisiert den Körper und unterstützt den Stoffwechsel.
von Gerd Wiesemann
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